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News & Kurzmeldungen

Neuigkeiten aus der VG Creußen, Haag, Prebitz und Schnabelwaid.


28.01.2025
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Aus der Creußener Geschichte Teil 1

Bilder: Peter Hippmann

 

Die Gründung von Lindenhardt   

                      

Wo heute das schmucke Dorf Lindenhardt liegt, dehnte sich in alter Zeit ein mächtiger Forst aus. In ihm hauste ein furchtbarer Lindwurm. Wenn das Unge-heuer auf der Suche nach Beute den Wald verließ, so floh alles in panischer Angst, denn das Untier verschlang alles, was ihm in den Weg kam, ob Mensch oder Vieh. So kam es, dass das ganze Land weit um den Forst allmählich verödete, weil niemand mehr in der Nähe des Ungeheuers leben wollte.

 

 Eines Tages nun kam ein fahrender Ritter durch die verlassene Gegend. Vergeblich hielt er nach einem Obdach für sich und sein treues Rößlein Ausschau. Als schon der Abend hereinbrach, kam er endlich an eine verfallene Hütte. Auf sein Klopfen öffnete ein alter Mann, der ihn gastlich aufnahm. „Viel kann ich Euch nicht anbieten“, sprach er, „ich lebe von den Früchten des Waldes, seitdem der Lindwurm meine Ziegen verschlungen und meine Felder verwüstet hat. Die anderen sind alle geflohen, ich bin zu alt, um an einem anderen Ort noch einmal von vorne zu beginnen“. „Habt ihr denn nicht versucht, das Ungeheuer zu vertreiben?“ fragte der Ritter. Aber der Alte schüttelte traurig den Kopf und berichtete: „Wohl haben tapfere Männer in vergangenen Tagen versucht, den Lindwurm zu erlegen. Doch sie sind alle umgekommen. Denn unbesiegbar ist der Drache. Undurchdringlich ist sein Schuppenpanzer, furchtbar sind seine Zähne, und sein feuriger Atem streckt jeden nieder, bevor er nur in seine Nähe kommt.“ Nachdenklich hörte der Ritter der Erzählung des alten Mannes zu, dann sprach er: „Sagt mir, wo das Ungeheuer zu finden ist, ich will versuchen, ob ich nicht mit Gotte Hilfe das Land von ihm befreien kann.“ Vergebens versuchte der Alte den Ritter von seinem Vorsatz abzubringen.

 

 So führte er ihn am nächsten Morgen ein Stück in den Wald. Als sie auf die ersten Spuren des Drachens stießen, verabschiedete sich der Alte mit Tränen in den Augen und eilte, so schnell er konnte, zu seiner Hütte zurück. Der Ritter aber drang tiefer in den Wald vor. Geknickte Bäume und versengte Äste wiesen ihm den Weg. Plötzlich scheute sein Pferd. Es hatte die Nähe des Ungeheuers gewittert. Da stieg der Ritter ab, band sein Roß an einem Baum und setzte seinen Weg zu Fuß fort. Es dauerte nicht lange, da entdeckte er den Lindwurm in einer Lichtung.

 

Es lag schlafend am Boden, und aus seinen Nüstern stieg weißer Dampf auf. Der Ritter schickte noch einmal ein Stoßgebet zum Himmel, dann begann er den Kampf. Mit aller Macht schleuderte er seinen Speer auf den Kopf des Drachen. Tief drang er in das linke Auge des Ungeheuers. Brüllend sprang dieses die Höhe, spie aus seinem aufgerissenen Rachen Rauch und Feuer und richtete sich auf den Hinterbeinen auf, um den frechen Angreifer zu entdecken. Diese Gelegenheit nutzte der Ritter. Blitzschnell sprang er hinzu und stieß sein Schwert bis zum Heft in die ungeschützte Unterseite des Tieres. Ein breiter Blutstrom quoll hervor, und mit wilden Zuckungen stürzte der Lindwurm nieder und verendete.

 

Dankbar sank der Ritter auf die Knie und gelobte, an der Stelle des Kampfes eine Kapelle zu errichten. Dann kehrte er zu seinem Pferd zurück und hatte bald den Wald wieder verlassen. Wie wunderte sich der Alte, als er den Ritter lebend wiedersah! Noch größer war sein Erstaunen, als ihm dieser von dem glücklichen Ende des Kampfes berichtete.

 

Am nächsten Tag kehrte beide mit Axt und Säge zum Kampfplatz zurück. Nachdem sie den Leichnam des Untiers verscharrt hatten, machten sie sich daran, eine hölzerne Kapelle zu errichten. Als sie fertiggestellt und geweiht war, zog der fremde Ritter weiter. Rund um das Kirchlein aber entstanden im Laufe der Zeit einige Häuser. Die neue Siedlung erhielt den Namen „Lindrachard“ und führt bis zum heutigen Tage einen Lindwurm im Wappen.

 

Quelle: Bayreuther Sagenschatz 

 

Raimund Nols, 2.Bürgermeister


Bilder: Peter Hippmann