02_Kollektionen/AdobeStock_447772831.webp

News & Kurzmeldungen

Neuigkeiten aus der VG Creußen, Haag, Prebitz und Schnabelwaid.


24.07.2025
Datacollector/6894896316b0b.jpg
Aus der Creußener Geschichte - Wanderung zur Rotmainquelle

Es war ein sonnenglänzender Februar-Nachmittag, als ich meine Schritte dem Rotmaintale zulenkte. An dem ehemals herrschaftlichen Schloß Bühl vorbei, welches heute eine Malzfabrik birgt, zog ich zum Erlenbrünnlein, dessen föhrenumwachsener Hintergrund leider unter der geschäftigen Hand des Holzes zu Fall kam. Hochgewachsene Erlen kennzeichnen den Schlängellauf des Maines, der mit lautem Glucksen und Murmeln unter einer öfter durchbrochenen Eisdecke über eisenhaltige Sandsteine dahineilt. Welch eine herrliche Wanderung! Zwar fehlen das saftige Grün der Wiesen und die Farbenpracht der Blumen; aber Sonnenschein, herrlicher Sonnenschein dringt tief ins Herz hinein! Und wie frei wandert sich‘s in dem engen Tal! Weder der Wächter der Flur, noch die sumpfigen Wiesen, hindern deren gewollten Schritt. Über sie hinweg ist bald die Neumühle erreicht, die über dem Maintale liegt und deren oberschlächtiges Rad sein Wasser von einem nahegelegenen Wald und dem Kraimoos-Weiher erhält, jenem Weiher, der bei hohem Wasserstande sowohl nordwärts zum Maine als auch südwärts zur Pegnitz fließt, also auf der Wasserscheide zwischen den beiden Flußgebieten steht.


Nun verliert sich auf der linken, weiter zurücktretenden Talseite der Wald. Oberhalb Schwürz überquert man die Straße Creußen-Trockau und gewahrt Hörlasreuth, das mit seinen verstreuten Häusern malerisch an den Lindenhardter Forst lehnt. Von dem im dreißigjährigen Kriege zerstörten und nicht wieder aufgebauten Dorf Simmelbuch findet man keine Spur mehr. Weiße Streifen an den Bäumen dienen als Wegweiser. Mählich geht es aufwärts und in einigen Minuten ist das Ziel erreicht.


Die Quelle liegt 581 Meter über der Nordsee und fast auf dem höchsten Punkt des Forstes.

Stolze, schlanke, hochgewachsene Fichten umsäumen den Platz.


Wo mit lautem Geplätscher aus Felsenschichten ein klares, kräftiges Brünnlein zum Lichte dringt, um dann als junges Bächlein sich kühn seine Bahn zu schaffen und ins weite Land zu eilen.


An der Stelle, wo der Rotmain zutage tritt, war ehedem nur ein Rohr zu sehen; in der Nähe stand, wie auch heute wieder, eine einfache Hütte. Im Jahre 1907 wurde die Quelle auf Kosten des Fränkische Schweiz-Vereins gefasst. Das klare Wasser rinnt aus einem Rohr in eine ziemlich große Schüssel aus Eisensandstein, welche halbkreisförmig von einem Mäuerchen gefasst wird. Einige Treppenstufen führen hinab auf den Boden der Fassung und zwei in der Mauer eingelassene Sitze laden zum Ruhen ein. Die Quelle läuft sehr stark, blieb in dem heißen Sommer und Herbst 1911, in welchem neben vielen anderen Quellen auch sein Bruder im Fichtelgebirge versiegte, nicht aus, sondern lief nur etwas schwächer. Das Gefäll des Rotmains kann sich mit dem des weißen Maines nicht messen. Während dieser bei ¾-stündiger Entfernung bis Bischofsgrün ein Gefäll von 209 Metern nachweisen kann, beträgt dieses beim Rotmain nach 8 Kilometer langem Lauf bis Creußen erst 67 Meter. Daher ist auch der Lauf dieses gelbrotbraunen Wasserleins, das durch verschiedene Waldbächlein und bei Creußen durch den Schwarzbach verstärkt wird, ein ziemlich langsamer. Darum findet man auch erst in Creußen an ihm die erste Mühle.


Über der Quelle – von unten nicht sichtbar – liegt eine aus weißem Marmor gefertigte Platte, welche die Worte enthält:


„Voll Jugendlust im Brautgewande

Entsteigest du dem kühlen Born

Und bringst in blühend schöne Lande

Der Früchte reichgefülltes Horn.

O grüße mir die Rebgehänge,

Grüß‘ Dorf und Stadt auf deinem Gang

Und rausch der Heimat Lobgesänge

Von Well zu Well zeitlebenslang.“


Leo Rehlitz, (Aus: „Mainbote 1914“)



Raimund Nols, 2. Bürgermeister


Quelle: Originaltext aus Bayernheft Nr. 27, Bayreuther Land u. Leute, erschienen 1926

Postkartenmotiv zur Verfügung gestellt von Peter Hippmann