
Es war noch weit vor Sonnenaufgang, als sich die kleine Gruppe Creußener am Samstag, dem 20.09.25 zu einem Ausflug in die Vergangenheit (in mehrfacher Hinsicht) aufbrach. Auf Initiative des Ortsbürgermeisters Bernd Georgi organisierte man in der seit 2021 nunmehr mit 12 anderen Ortschaften als „Landgemeinde“ zusammengeschlossenen Stadt Greußen/Thüringen ein besonderes Spektakel.
Der 100-jährige Herbstmarkt, zu dem der Karlsplatz mit großem Festzelt und vielen Kirmesgeschäften voll ausgefüllt war, aber auch noch ein Flohmarkt stattfand, wurde mit einem Schmankerl der besonderen Art ergänzt. Eine Gruppe von über 60 „Kriegsknechten“, die bereits seit Donnerstag unweit des Festplatzes ihr Lager in historischer Ausstattung aufgeschlagen hatten, versammelten sich, um das Gefecht der Preußen gegen die Franzosen von 1806 nachzustellen. Etwa 130.000 französische Soldaten sind damals durch Greußen gezogen, um nach dem erfolgreichen Gefecht nahe der Stadt weiter in Richtung Norden zu ziehen. Was das für den Ort und die Einwohner bedeutete, kann sich jeder selbst ausmalen.
Pünktlich zum Appell für den Abmarsch traf man in Thüringen ein, um sich mit vielen anderen Einheimischen auf den 8 KM langen Rundweg zu den Nachstellungen der Gefechtsszenen zu machen. Die sommerlichen Temperaturen verlangten dabei von allen Beteiligten, insbesondere denjenigen, die in mittelalterlichen Kampfmontur und Waffen marschierten, einiges ab. Höhepunkte waren dann die „Schlachten“ am Hängsberg und (ergänzt um eine mittelalterliche Kanone) dem Warthügel-Denkmal.
Als Zuschauer war man regelrecht mittendrin im Getümmel und konnte so eindrucksvoll miterleben, wie die Kampfhandlungen seinerzeit abgelaufen sind.
Zurück am Festplatz gönnte man sich erst einmal ein kühles Bier und eine Thüringer Bratwurst. Nicht zuletzt aufgrund der Vereinshemden, die man trug, aber auch bei geplanten oder zufälligen Treffen ergaben sich sowohl auf der Gefechtstour als auch auf dem Kirmesgelänge viele Gespräche mit den Greußenern.
Natürlich war auch immer wieder die über 30-jährige Städtepartnerschaft, der damalige hochemotionale „Einzug“ der Creußener mit zwei Reisebussen, aber auch die vielen Ähnlichkeiten der beiden Städte ein Thema. Kurzfristig entschloss man sich zur Teilnahme beim Bürgerschießen der Schützengesellschaft, die zudem eine Woche später 500 Jahre Schützen in Greußen feiert.
Den Abschluss des erlebnisreichen Tages bildete die „verpatzte Erbsensuppe“. Der Preußenkönig musste diese damals stehen lassen, um vor den herannahenden Franzosen zu fliehen. Die Nachstellung dieser Szene mündete darin, dass man sich stilecht aus einer NVA-Gulaschkanone mit dieser stärken konnte, um dann den Nachhauseweg anzutreten.
Die vielen Eindrücke, die Begegnungen mit den Greußener, aber auch die Erinnerungen an vergangene Ereignisse bestätigten alle darin, dass sich der Aufwand für diesen Ausflug mehr als gelohnt hat. Und … dass uns deutlich mehr verbindet als eine Urkunde mit zwei Unterschriften aus dem Jahr 1991.
Weitere Bilder und Eindrücke können auf der Internetseite des Schützenvereins Haidhof unter www.schuetzen-haidhof.com/galerie eingesehen werden.

