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News & Kurzmeldungen

Neuigkeiten aus der VG Creußen, Haag, Prebitz und Schnabelwaid.


23.04.2025
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Die Feindbesetzung von Creußen im letzten Kriegsjahr April 1945 - Teil II

Als die Kampfhandlungen sich verlagert hatten, zog am Montag, den 23. April 1945 die gesamte 3.Amerikanische Armee in drei Tagen und Nächten durch Creußen in Richtung Amberg. Beim Durchzug der schweren Panzer entstand nicht nur ein ungeheurer Lärm und ein fürchterliches Getöse, sondern es wurden auch die Straßen in Mitleidenschaft gezogen. So war hauptsächlich die Ecke Neuhofer Straße – Nürnberger Straße fast nicht mehr zu befahren und es musste alles verfügbare Erd- und Steinmaterial zur Instandsetzung verwendet werden.

    

Unterdessen richtete sich im Metallwerk eine amerikanische Kommandantur mit einem Oberst und ungefähr 250 Mann Besatzungstruppen ein. Dieser Kommandeur wiederum setzte als örtlichen Kommandeur den tschechischen Strafgefangenen Zadka ein, der wiederum eine besondere Kommandantur mit den Unterabteilungen Verwaltung, Polizei und geheime Polizei aus lauter tschechischen Strafgefangenen bildete. Auf dem Rathaus sind tätig gewesen die Tschechen Steiger, Nosek, Trunka, Smerzek und Huttek. Von diesen wurden dann Creußener Bürger zur Mitarbeit herangezogen. Die Stadträte erhielten sofort weiße Armbinden mit Dienstsiegel; auch die übrige Bevölkerung musste solche tragen und selbst zur Verrichtung der Feldarbeit erhielten Landwirte besondere Armbinden.


Ab dem 16. April 1945 sind in Creußen besondere Ausgangszeiten festgesetzt worden, und zwar vom 16.04.-19.04, vormittags von 07.00-08.00 Uhr und nachmittags von 16.00-17.00 Uhr. Ab dem 20. April sind diese beiden Ausgangszeiten um je 1 Stunde verlängert worden. Während dieser Ausgangszeiten musste alles Notwendige für die Lebenshaltung erledigt werden, auch das Wasser für Mensch und Vieh musste von den Brunnen herbeigeschleppt werden, weil der elektrische Strom unterbrochen und die Wasserleitung beschädigt war. In diesen Tagen mussten auch alle Beerdigungen in der Zeit von 07.00 bis 08.00 Uhr vormittags vorgenommen werden. Der Zusammenbruch brachte auch den gesamten Eisenbahnverkehr zum Erliegen. Der letzte Zug verkehrte am 1. April, der im Bürgerwald bereits von feindlichen Flugzeugen beschossen wurde. Der Zugverkehr wurde erst wieder ab dem 8. Juni 1945 aufgenommen. Alle Fahrgäste mussten sich aber zuvor eine Bescheinigung des Kommandeurs beschaffen. Auch die Ernährungslage spitzte sich immer mehr zu. Aus diesem Grunde herrschte im Rathaus ein sehr starker Personenverkehr.


Am Mittwoch, den 24. April 1945, an dem die Stadt Creußen von allen amerikanischen Truppen geräumt war, nutzten die ausländischen Arbeiter - besonders die Polen - die günstige Gelegenheit aus und rebellierten gegen die zu geringe Brotration, konnten aber durch den Tschechen Smerzek wieder beruhigt werden. Als aber dennoch einige Ausländer gegen den berufenen 1.Bürgermeister Friedrich Neuner tätlich wurden, griffen die anwesenden Stadträte Hans Mehl, Fritz Niedermeyer und Ludwig Rauch ein und räumten das Rathaus von den Rebellen. Auf die Beschwerde, die diese unsanft behandelnden Polen der Ortskommandantur gegen den Stadtrat erhoben, wurde der gesamte Stadtrat in dieser Sache vorgeladen. Vor der Kommandantur hatte sich bereits vor Eintreffen des Stadtrates eine große Menge Ausländer angesammelt, die den Stadträten den Eintritt zum Kommandeur verwehrten und sie wiederum bedrohten. Als die Stadträte dann doch von der tschechischen Polizei kurz vernommen waren, wurden sie der politischen Polizei übergeben. Von dieser wurde der gesamte Stadttrat an die Wand gestellt, wobei Hans Eigner sen. und Ludwig Rauch zusammengeschlagen wurden. Beide wurden dann in einen auf dem Fabrikhof hinter der Kantine befindlichen Bunker abgeführt, wo Ludwig Rauch nochmal schwer geschlagen wurde. Die anderen Stadträte sind mit einigen Püffen davongekommen. Zu gleicher Zeit wurde auch der Gendarmeriewachtmeister Aull durch die Polizei aus seiner Wohnung geholt, in den erwähnten Bunker gebracht und aufs schwerste misshandelt. Nach 4-stündigem Wandstehen wurden die Stadträte dann gegen 22.00 Uhr nach nochmaliger Einvernahme durch die tschechische Polizei entlassen. Als am nächsten Tag die amerikanischen Truppen in Creußen wieder einrückten, ging durch die Creußener Einwohnerschaft ein Aufatmen mit einem Gefühl der Beruhigung. Der Stadtrat Hans Eigner sen. berichtete über diese rechtswidrigen Vorfälle dem Pegnitzer Kommunalpolitiker Hans Gentner, der darauf über die Pegnitzer Kommandantur das Weitere veranlasste. Am Samstag, den 27. April traf bereits ein amerikanischer Offizier aus Forchheim in Creußen ein und ließ sich von Friedrich Neuner und Hans Mehl über die Vorfälle berichten. Dieser Offizier nahm die Sache sehr ernst. Er erkannte die unhaltbaren Zustände sofort, wo bei etwa 1000 Creußener Bürgern mehr als 1200 Ausländer vorhanden waren. Einen baldigen Abtransport stellte er in Aussicht, der schon in einigen Tagen begann. Der letzte Transport mit dem Tschechen Zandka erfolgte am Sonntag, den 12. Mai 1945.


Quellen: Archiv von Hans Bauriedel      

Der Bericht stammt aus der Niederschrift von Hans Mehl zum Kriegsende.

H. Mehl wurde am 27. Januar 1946 als Bürgermeister von Creußen gewählt.

 

Raimund Nols, 2. Bürgermeiste