
Vor rund einem Jahr, am 24. November 2024, hat Jörg Teufel das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Prebitz übernommen. Zeit für eine Zwischenbilanz: Was wurde angestoßen, welche Herausforderungen gab es und was steht an in Prebitz?
„Herr Teufel, ein Jahr ist vergangen, seit Sie das Bürgermeisteramt übernommen haben. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?“
Das erste Jahr war für mich natürlich sehr intensiv. Ich hatte zu Beginn noch einen Vollzeitjob, den ich Schritt für Schritt reduzieren musste. Und obwohl ich bereits seit März 2024 als Vertreter im Amt war und zuvor zweiter Bürgermeister, weiß man trotzdem nie zu hundert Prozent, was einen wirklich erwartet. Ich bin mit klaren Vorstellungen und hohen Erwartungen gestartet. Mir war wichtig, Dinge anzupacken, statt nur darüber zu reden. Das war arbeitsintensiv, aber wir konnten in vielen Bereichen bereits gute Fortschritte erreichen und das motiviert enorm.
„Sie sprechen Fortschritte an. Was konnten Sie in den ersten zwölf Monaten konkret umsetzen und worauf sind Sie besonders stolz?“
Wir haben in kurzer Zeit erstaunlich viel bewegen können. Die Weichen für die Zukunft unserer Kläranlage in Engelmannsreuth sind gestellt, und auch die Planung der notwendigen Kanalsanierungen kommt Stück für Stück voran. Gleichzeitig läuft die Planung für das neue Baugebiet Engelmannsreuth auf Hochtouren. Besonders freut mich, dass wir die Spielplätze in Engelmannsreuth und Funkendorf erneuern bzw. erweitern konnten, ein echter Gewinn für unsere Kinder. Im Gemeindezentrum Bieberswöhr konnten wir bereits im ersten Jahr spürbare Einsparungen und Optimierungen erreichen. Und unser neues Gemeindewappen ist fertig entworfen und wartet derzeit auf die Genehmigung. Außerdem haben wir unsere Vereinsförderung gestärkt und eine klare Förderrichtlinie geschaffen, die unseren Vereinen etwas für Ihr Engagement zurückgibt. Ehrlich gesagt bin ich auf all das Erreichte stolz. Vor allem darauf, dass wir wirtschaftlich wichtige Weichen stellen konnten, ohne bei Vereinen oder Familien zu sparen.
„Nicht jedes Projekt läuft glatt. Gab es Momente, in denen Sie sich dachten: ‚Das hätte einfacher laufen können?‘“
Natürlich. Besonders schwierig wird es immer dort, wo wir auf andere Institutionen oder Entscheidungsträger angewiesen sind. Ein Beispiel ist der quasi nicht vorhandene ÖPNV in unserer Gemeinde. Für unsere Bürger ein leidiges Thema. Hier würde ich persönlich gerne deutlich schneller vorankommen, aber vieles liegt schlicht nicht in unserer eigenen Hand. Das kann frustrieren, spornt aber auch an, hartnäckig zu bleiben.
„Sie betonen häufig Bürgernähe und Transparenz. Wie gelingt es Ihnen, die Menschen wirklich mitzunehmen?“
Ich bin davon überzeugt, gerade in einer Zeit, in der viele Menschen Politik mit Frust verbinden, müssen wir in der Kommunalpolitik nah dran sein. Man sollte sich immer wieder fragen: „Wer bezahlt mein Gehalt? Der Bürger.“ Die Menschen haben ein Recht darauf, gehört zu werden. Natürlich kann man nicht jede Idee umsetzen, und es ist auch nicht meine Aufgabe, es jedem recht zu machen. Aber ich möchte erreichbar sein, per Telefon, persönlich oder in meiner Amtsstunde. Und ich glaube, die Bürger wissen, dass sie sich jederzeit bei mir melden können.
„Ein Bürgermeister arbeitet nie allein. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit im Gemeinderat und in der Verwaltung?“
Ich bin wirklich dankbar für unseren Gemeinderat. Wir haben eine tolle Truppe mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, und jeder bringt sich ein. Dieses Miteinander macht mir richtig Freude. Natürlich bringen alle ihre eigenen Perspektiven und Erfahrungen mit, und da gibt es auch mal unterschiedliche Meinungen. Entscheidend ist, dass wir offen miteinander sprechen, gemeinsam nach Lösungen suchen und am Ende tragfähige Entscheidungen treffen. Und ich finde, genau das gelingt uns im Gemeinderat wirklich gut. Auch mit unserer Verwaltung arbeite ich sehr eng und vertrauensvoll zusammen. Wir haben dort ein sehr engagiertes Team, das viel mitträgt und im Hintergrund oft mehr leistet, als man nach außen sieht. Wir ziehen alle an einem Strang und genau das braucht es, damit wir als Gemeinde gut vorankommen.
„Die Haushaltslage ist angespannt. Wie schaffen Sie es, trotzdem wichtige Projekte zu finanzieren?“
Als Betriebswirt schaue ich meistens zuallererst auf die Zahlen. Nach meinem Amtsantritt habe ich die laufenden Kosten in unserer Gemeinde genau analysiert und versuche nun, hier Schritt für Schritt Kosten zu senken. Die steigende Kreisumlage belastet uns stark, während die Einnahmen nicht im gleichen Maß wachsen. Das bedeutet für uns:
„Wir müssen sparen, wenn wir weiter investieren wollen.“
Gemeinsam mit dem Gemeinderat suche ich nach Möglichkeiten, wirtschaftlich besser zu werden, ohne die Bürger unnötig zu belasten. Das ist nicht immer einfach, aber absolut notwendig.
„Wo sehen Sie die Schwerpunkte in der Gemeinde Prebitz in den kommenden Jahren?“
Unsere Infrastruktur bleibt ein zentrales Thema. Auch wenn unser Kanalnetz nicht im schlechtesten Zustand ist, gibt es Bereiche, die dringend saniert werden müssen. Ich möchte das Stück für Stück angehen, damit wir nicht irgendwann vor einer Herkulesaufgabe stehen, weil wir zu lange gewartet haben. Unser neues Baugebiet hat weiterhin oberste Priorität. Junge Familien in Prebitz zu halten oder zurückzuholen, tut der gesamten Gemeinde gut. Auch in unserer alten Kanzlei in Prebitz muss in den kommenden Jahren etwas passieren. Wir informieren uns derzeit über verschiedene Fördermöglichkeiten und haben uns als RIZ-Außenstandort beworben. Sollte das nicht klappen, werden wir andere Nutzungskonzepte prüfen. Wichtig ist, dass das Gebäude eine echte Perspektive bekommt. Und unser neues Gemeindewappen soll nur der Anfang sein. Ich möchte, dass Prebitz auch nach außen hin sichtbarer und noch attraktiver wird.
„Sie sind in Ihrer Position viel unterwegs. Wie schaffen Sie bei diesem Pensum Zeit für Ihre Familie und sich selbst?“
Das ist ehrlich gesagt eine Herausforderung. Mein Tag beginnt früh und endet spät. Umso wichtiger sind mir die kleinen Alltagsmomente mit meiner Familie. Diese Zeit schätzt man viel mehr, wenn sie knapp ist. Ich habe mir vorgenommen, am Wochenende weniger im Büro zu arbeiten, das klappt mal besser, mal schlechter. Neben meinem Bürgermeisteramt arbeite ich weiterhin 30 Stunden pro Woche bei der BayKommun als Projektmanager. Durch die Möglichkeit, überwiegend im Homeoffice zu arbeiten und nur einmal pro Woche in München im Büro zu sein, kann ich meine Zeit gut strukturieren und flexibel bleiben. Das hilft enorm, alles unter einen Hut zu bekommen. Am liebsten bin ich aber bei meiner Familie, draußen in der Natur oder in unserer Region unterwegs.
„Wenn Sie heute zurückblicken: Fühlt sich das Amt so an, wie Sie es sich vorher vorgestellt haben?“
Nein! Weil ich mir vorher ehrlich gesagt gar nicht so viele konkrete Vorstellungen gemacht habe. Die Intensität ist enorm und man kann sich vorher kaum ausmalen, wie viel Verantwortung und Zeit in den einzelnen Themen stecken.
„2026 stehen in Bayern Kommunalwahlen an. Sie selbst sind davon ausgenommen, da Sie erst 2024 gewählt wurden. Wie blicken Sie auf die kommende Wahl?“
Ich sehe das tatsächlich entspannt, weil ich nicht selbst zur Wahl stehe. Spannend wird es trotzdem, vor allem mit Blick darauf, welche Veränderungen sich in unserem direkten Umfeld ergeben. Einen Wahlkampf gibt es für mich aber trotzdem, da ich mich für die CSU im Landkreis für den Kreistag habe aufstellen lassen. Das wäre ein Amt, das mir sehr gut gefallen würde. Und ich bin der Meinung: Ein Prebitzer Vertreter gehört in den Kreistag.
„Was wünschen Sie sich persönlich für die Gemeinde Prebitz? Unabhängig davon, wer in Zukunft einmal Bürgermeister sein wird?“
Ich wünsche mir, dass unsere Vereine so lebendig bleiben, wie sie es heute sind. Dass wir uns unsere Traditionen und Feste bewahren. Sie sind das Herzstück unserer Dorfgemeinschaft und prägen unser Zusammenleben. Wir müssen alles dafür tun, unsere Vereine zu unterstützen. Außerdem wünsche ich mir, dass wir wieder über die Marke von 1.000 Einwohnern kommen. Das waren wir lange Zeit und mit dem neuen Baugebiet ist das hoffentlich ein ganz realistisches Ziel. Und zu guter Letzt wünsche ich mir, dass Prebitz wirtschaftlich so gut aufgestellt ist, dass wir als Gemeinde finanziell souverän bleiben. Wenn wir das geschafft haben, bin ich zufrieden.

